GÜLIZAR CESTAN: «ZUSAMMEN PAELLA ESSEN REICHT NICHT!» von Thomas Loosli, Vorstandsmitglied SP5

 Gülizar Cestan ist seit 2008 in der Geschäftsleitung der Stadt Zürich aktiv und ebenso lange ist sie bei uns im Vorstand der SP5. Gülizar ist eine Frau, die sich seit vielen Jahren für die Integration von AusländerInnen und Frauenrechte einsetzt.
 
Von Anatolien über die Glarner Berge in den Kreis 5 «Das Thema Migration wird von der SP weiterhin zu wenig ernst genommen», sagt Gülizar Cestan nachdenklich im Café Tantpis. Migration und Integration beschäftigen Gülizar Cestan seit ihrer Kindheit. Sie ist Türkin tatarischer Abstammung, ihre Eltern und Grosseltern lebten in der Türkei und in Rumänien. Als Tataren (die Tataren sind ursprünglich aus der Mongolei nach Europa ausgewandert) waren schon ihre Vorfahren «fremd» im eigenen Land. Aus Rumänien wurden nach dem Zweiten Weltkrieg fast alle Tataren vertrieben. Gülizar ist in Solothurn und im Glarnerland aufgewachsen. Ihr Vater war Fabrikarbeiter, verlor aber den Job infolge der Deindustrialisierung im Zigerschlitz. Es stellte sich die Frage, ob die Familie zurückkehren sollte in die Heimat. Schliesslich entschieden sich ihre Eltern in der Schweiz zu bleiben. Schon als Kleinkind interessierte sich Gülizar für Politik. Der Vater war in der Gewerkschaft. Gülizar machte eine KV-Ausbildung, holte aber später auf dem zweiten Bildungsweg die Matur nach. Politisiert wurde sie durch die 1980er Jahre-Bewegung in Zürich. Sie wollte weg aus Glarus und zog 1986 nach Zürich. Gülizar engagierte sich für Drogenabhängige an der Platzspitz Aktion, brachte Decken und sorgte für saubere Spritzen. Sie trat der Frauengruppe cfd (feministische Friedensorganisation) bei und setzte sich in den 1990er Jahren unter anderem für Flüchtlinge aus Ex-Jugoslawien ein. 1988 wurde die IG Kreis 5 gegründet und fortan setzte sich Gülizar sehr für die IG Kreis 5 ein. Die wichtigen Themen waren die Drogen und Wohnpolitik. Auch das Thema Überwachung beschäftigte Gülizar schon damals. «Kontrolliert wird, wer anders aussieht. Das war damals nicht anders wie heute», sagt sie.
 
Rein in die Politik! Parteipolitisch aktiv wurde Gülizar für die Secondos Plus und trat 2007 der SP bei.  Für die Gewerkschaft VPOD setzt sie sich schon lange als Gewerkschaftssekretärin ein und leitet den VPOD Zürich seit 2015 als Präsidentin. Gülizar wurde 2008 in die SP-Geschäftsleitung gewählt und übernahm zuerst das Ressort Migration/Integration und zwi-schenzeitlich das Ressort Polizei. Die Geschäftsleitung der Stadt Zürich nimmt Gülizar als Schnittstelle zwischen Gemeinderat und Stadtrat wahr. «In der Geschäftsleitung kann man Themen platzieren, die vom Gemeinderat aufgenommen werden», erklärt sie. Gülizar setzt sich in der Geschäftsleitung für erleichterte Einbürgerung, das Wahlrecht für Ausländer-Innen und gegen Racial Profiling ein. Eines der Highlights und persönlichen Erfolge für Gülizar war ihre schriftliche Anfrage über die Radikalisierungs-Software, die an Schulen der Stadt Zürich angewandt werden sollte und einer Art Islamismus Checkliste entspricht, die sehr fragwürdige und diskriminierende Tendenzen im Umgang mit dem Islam beinhaltet. Die Anfrage wurde vom Gemeinderat überwiesen und ging an das Schuldepartment.
 
«Miteinander auf Augenhöhe reden» Eine Herzensangelegenheit für Gülizar bleibt das Thema Integration und der kulturelle Austausch. Gülizar Cestan arbeitet im Schulamt. Sie ist zuständig für private Horte und organisiert Betreuungsplätze für Sonderschulkinder. Aber die Schulen gehen Gülizar eindeutig zu wenig weit in ihren Schritten Richtung Integration: «Zwar ist es schön, wenn Eltern von verschiedenen Ländern ihre Spezialitäten kochen und dann zusammen essen, aber zusammen Paella essen reicht eben nicht»,  sagt Gülizar mit Entschiedenheit. «Der Austausch muss weiter gehen, man sollte die Gemeinsamkeiten anschauen und weg vom Defizitorientierten gehen. Es wäre vor allem wichtig auf Augenhöhe miteinander zu reden.» Aber Gülizar Cestan sieht die Grenzen des Handlungsspielraums. «Wir wollten einmal mit denSecondos eine neue Schweizer-Fahne und Hymne erfinden», sagt sie lächelnd. Diese Idee brachte Secondos Plus viel Unmut und Unverständnis. So weit scheint die Schweiz nicht zu sein.
 
Vielen Dank! Gülizar Cestan zieht sich ab 2017 aus dem Vorstand der SP5 zurück und verlässt auch die Geschäftsleitung der Stadt Zürich. Sie will sich in Zukunft mehr für Anliegen in der Türkei stark machen, da sie die politische Situation in ihrer Heimat sehr besorgt und beschäftigt. Gülizar, im Namen der SP5 möchten wir dir ganz herzlich danken für deinen engagierten, kämpferischen Einsatz für die Anliegen der Integration. Wir wünschen dir viel Erfolg für deine vielen weiteren Projekte und viel Spass beim Theaterspielen, FCZ schauen und unterstützen, Cypress Hill hören und anderen kulturellen Aktivitäten!

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